Chancen und Möglichkeiten der Fruchtbarkeitsbehandlungen

Führt diese Behandlung zum Erfolg?

Je nach den persönlichen Voraussetzungen wie z.B. Sterilitätsursache, das Alter aber auch den seelischen Befindlichkeiten beider Partner hat ein Paar unterschiedliche Erfolgschancen für die Kinderwunschbehandlung. Als Orientierungshilfe können Statistiken dienen, die jedoch immer nur Durchschnittswerte darstellen, deshalb sollte die eigene Situation mit der betreuenden Fachperson individuell besprochen werden. Dabei ist zu beachten, dass einige Statistiken Schwangerschaftsraten darstellen und dadurch wegen Problemen wie z.B. Eileiterschwangerschaften oder Fehlgeburten nicht die Zahl der Lebend-Geburten-Rate darstellt.

Kinderwunschbehandlung und Belastung

Viele Paare und insbesondere die Frauen sind oft durch eine Behandlung körperlich und seelisch sehr belastet und die Therapie hat auch ihre Schattenseiten. Die Medikamente greifen zum Teil stark in den weiblichen Körper ein und es können unangenehme Nebenwirkungen bis ernsthafte Komplikationen wie z.B. bei einer Überstimulation auftreten. Belastend können viele Faktoren sein:
  • Sex auf Kommando kann zu Lustlosigkeit und sexuellen Störungen führen
  • Oft sind häufige Kontrolluntersuchungen und Behandlungen notwendig, dies lässt sich häufig schwer mit beruflichen Verpflichtungen übereinbringen
  • Hormonelle Behandlungen haben manchmal unangenehme und starke Nebenwirkungen
  • Gefühlsschwankungen während der Behandlung können sehr heftig sein
  • Gesellschaftliches Tabu der Kinderwunschbehandlung führt dazu, dass Paare die Behandlungen geheim halten und sich so von Freunden und Familie isolieren
  • Psychische Belastung z.B. durch erfolglose Behandlungszyklen oder das Warten nach der Eizellentnahme und Embryotransfer bist zum Schwangerschaftstest

Wenn die Hoffnung in Enttäuschung umschlägt

Wenn die Menstruation dann nach einer Behandlung doch wieder einsetzt, ist das Paar enttäuscht und niedergeschlagen, denn viele setzen grosse Hoffnung in die Therapie. Zu diesem Zeitpunkt ist es nebst der Trauer, vielleicht auch Wut oder Angst ratsam, dass beide Partner vor einer neuen Therapie ihre Ziele und Wünsche neu überprüfen und aufeinander abstimmen. Vielleicht braucht das Paar eine Behandlungs-Pause, denn der Kinderwunschweg kann lang und erschwerlich sein und sollte nicht kraftlos in einem Kinderwunsch-Burnout enden. Oft kann eine ganzheitliche oder psychologische Betreuung das Paar auf ihrem Weg sinnvoll unterstützen, besonders bei länger anhaltender Kinderlosigkeit oder auch bei Beendigung der medizinischen Therapie und beim Abschied vom eigenen Wunschkind. Nebst Anlaufstellen, die sich mit unerfülltem Kinderwunsch auskennen, kann auch der Kontakt zu anderen Paaren sein, die sich in einer ähnlichen Situation befinden (z.B. Selbsthilfegruppen).

Andere Lebensperspektiven

Nach einer erfolglosen Kinderwunschbehandlung erlebt das Paar eine Zeit des Trauerns, manche geraten sogar in ein länger anhaltendes seelisches Tief. Es ist wichtig, danach aus der Krise herauszufinden und wieder eine Perspektive für das weitere Leben zu entwickeln, manchmal ist dazu auch psychologische Beratung oder eine Psychotherapie sinnvoll. Einige Paare entscheiden sich, durch eine Adoption oder Pflege eines Kindes zu Eltern zu werden, um so ihre Liebe und Fürsorge weitergeben zu können. Andere Paare überdenken ihre bisherige Lebensplanung, engagieren sich vielleicht stärker beruflich oder intensivieren ihre Freizeitaktivitäten. Doch auch bei einem erfüllten Leben ohne Kinder gibt es Momente, wo die Trauer um das nie-dagewesene, eigene Kind wieder auftaucht, so beobachte ich dies z.B. in meiner Praxis häufg nochmals, wenn die fruchtbare Zeit einer Frau in den Wechseljahren zu Ende geht und somit der Körper von einer Schwangerschaftsmöglichkeit endgültig Abschied nimmt.
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