Medizinische Behandlungen bei Fruchtbarkeitsstörungen

Wie geht es nach der Untersuchung weiter?

Für viele Paare ist eine medizinische Behandlung möglich. Die Erfolgsaussichten hängen jedoch von vielen Faktoren wie z.B. Ursachen, Alter etc. ab. Die Fruchtbarkeitsbehandlungen können eine Chance sein, für manche Paare sogar die einzige, um doch noch ein eigenes Kind zu bekommen. Sie sind jedoch meist sehr aufwendig und belasten den Körper und die Seele sowie oft auch das Portemonnaie. Auch gibt es keine Garantie für den Erfolg einer medizinischen Behandlung. Ein Teil der Behandlungsmöglichkeiten greift stark in die Hormone des weiblichen Körpers ein auch wenn die Ursache der Fruchtbarkeitsstörung beim Mann liegt. Deshalb ist wichtig, dass sich das Paar gemeinsam über die Behandlungsabläufe, Risiken sowie Erfolgschancen informiert und entscheidet.

Die Behandlung richtet sich nach den Ursachen für die Fruchtbarkeitsstörung des Paares und erfolgt oft schrittweise. Wenn z.B. nach leichter Hormontherapie mit Insemination keine Schwangerschaft eintritt, empfiehlt sich vielleicht eine IVF-Behandlung, bei anderen Paaren ist die IVF die einzige Möglichkeit zu einem eigenen Kind zu kommen.

Ein kurzer Überblick über die Therapien (weiterführende Informationen zu den Behandlungsmöglichkeiten sowie Kinderwunsch-Kliniken siehe Links)

Zyklusmonitoring

Ärztliche Beobachtung des natürlichen Zyklus durch Ultraschall- und Blutuntersuchungen zum Erfassen des Eisprungs im nicht-stimulierten Zyklus

Hormontherapie

Bei hormonellen Ungleichgewichten wie z.B. Eireifungsstörung oder Gelbkörperschwäche wird der hormonelle Haushalt durch Medikamente reguliert (z.B. Hormonelle Stimulation der Eierstöcke). Diese Behandlung wird oft auch mit einer Insemination verbunden.

Insemination (Samenübertragung)

Einbringen von Samenflüssigkeit in die Gebärmutter z.B. bei mässig eingeschränkter Samenqualität, Antikörpern gegen Samenzellen, Störung der Zervix (Gebärmutterhals)

IVF (In-Vitro-Fertilisation) / IVF-Naturelle

Nach einer hormonellen Stimulation der Eierstöcke werden die Eizellen entnommen, ausserhalb des Körpers im Reagenzglas mit den Samenzellen zusammengebracht und die Embryonen in die Gebärmutter zurückgegeben. Diese Methode wird angewendet bei Problemen der Eileiter,  verminderter Samenqualität, starker Endometriose sowie bei länger bestehender Unfruchtbarkeit. Einzelne Kliniken bieten auch das sogenannte IVF Naturelle an, bei dem ohne oder nur mit minimaler Hormonstimulation  1 - 2 Eizellen entnommen, befruchtet und wieder eingesetzt werden. (Siehe Links)

ICSI (Intrazytopasmatische Spermieninjektion)

Im Unterschied zur IVF-Behandlung werden bei stark eingeschränkter Samenqualität die Samenzellen direkt in die Eizellen eingespritzt und die Embryonen in die Gebärmutter zurückgegeben.

TESE / MESA (Operative Spermiengewinnung aus Hoden / Nebenhoden)

Wenn im Ejakulat keine Samenzellen vorhanden sind oder bei fehlenden oder verschlossenen Samenleitern können Spermien operativ aus den Hoden oder Nebenhoden gewonnen werden, um danach ein ICSI durchzuführen.

Samenspende (Heterologe Insemination)

Bei stark eingeschränkter Samenqualität oder wenn in den Hoden keine Spermien vorhanden sind, kann eine Behandlung mit fremden Samen in Verbindung mit Insemination, IVF oder ICSI durchgeführt werden. Eine rechtliche Beratung ist hierzu notwendig.

Eizellenspende

Bei verschiedenen Indikationen hat eine Frau keine Möglichkeit mehr, mit ihren eigenen Eizellen schwanger zu werden z.b. wenn durch bösartige Erkrankungen beide Eierstöcke operativ entfernt wurden oder bei vorzeitigem Eintreten in die Wechseljahre. Eine Eizellspende ist somit für diese Frauen eine Möglichkeit, selber doch noch schwanger zu werden. (Aus gesetzlichen Gründen in der Schweiz nicht erlaubt, weshalb die Behandlung nur im Ausland angeboten wird)


In manchen Fällen ergeben die Untersuchungen allerdings auch, dass die Fortpflanzungsmedizin nicht helfen kann. Manche Paare entscheiden sich dann für Adoption eines Kindes, für andere bedeutet es der Abschied von ihrem Wunschkind.

Schwangerschaft + Geburt nach einer Kinderwunschbehandlung

Die meisten Schwangerschaften nach einer Fruchtbarkeitsbehandlung verlaufen völlig normal und die Paare können sich auf eine ganz normale Schwangerschaft und Geburt freuen. Einzig die Fehlgeburtenrate sowie die Fehlentwicklungsrate der Kinder liegt etwas höher als bei spontanen Schwangerschaften, jedoch ist unklar ob dies eine Folge der Fruchtbarkeitsbehandlung ist oder mit den Ursachen für die Unfruchtbarkeit der Eltern zusammenhängt (z.B. höheres Alter). Nebst einer guten gynäkologischen Begleitung empfehle ich schwangeren Frauen nach einer Kinderwunschbehandlung immer auch die Schwangerschaftsbegleitung durch eine Hebamme, da diese mit Gesprächen jederzeit bei Unsicherheiten und Fragen auch als persönliche Ansprechperson zur Verfügung steht und so die Frau unterstützt, eine schöne und ganz natürliche Schwangerschaft und Geburt erleben zu dürfen.
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